INTER-ACT – Interaktive konsensbasierte Entwicklung eines Modell-Urheberrechtsgesetzes

INTER-ACT – Interaktive konsensbasierte Entwicklung eines Modell-Urheberrechtsgesetzes

Urheberrecht geht uns alle an: Finden und entwickeln wir gemeinsam neue konsensorientierte Lösungen für ein modernes und faires Urheberrecht!

 

Hintergrund

Mit der rasanten Entwicklung der Informationstechnologien hat das Thema Urheberrecht den rein rechtswissenschaftlichen Diskurs verlassen und steht nunmehr wie kein anderes Rechtsgebiet im Fokus einer breiten öffentlichen Debatte. Geistige Schöpfungen werden heute überwiegend in digitaler Form verwertet und genutzt. Dies stellt die traditionelle Konzeption des Urheberrechts, die sich historisch bedingt stark an analogen Verwertungs- und Nutzungsformen orientiert, vor neue rechtliche, wirtschaftliche und soziale Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund hat ein ausgewogenes, modernes Urheberrecht den technischen Entwicklungen Rechnung zu tragen und einen Ausgleich zwischen den Interessen der involvierten Stakeholder (Urheber/innen, Verwerter/innen, Nutzer/innen) zu erzielen.

Das Projekt im Überblick

Das INTER-ACT-Projekt baut auf dem Sparkling Science-Forschungsprojekt „VOM USER-GENERATED-CONTENT“ zum „USER-GENERATED-COPYRIGHT“ (www.u-g-c.at) auf und knüpft an die darin erarbeiteten Forschungsergebnisse an. Ziel von INTER-ACT ist es, einen experimentellen Demonstrator für eine digitale Interaktions- und Diskussionsplattform zu entwickeln, die es Bürger/inne/n aller Stakeholder-Gruppen (Nutzer/inne/n, Autor/inn/en, Verlagen etc.) ermöglicht, an der Ausarbeitung und Diskussion von Modellvorschlägen für Urheberrechtsvorschriften zu partizipieren. Das Projekt folgt darin einem interdisziplinären „Citizen-Science Ansatz“, der Methoden der Rechts- und Sozialwissenschaften verbindet.

Vor diesem Hintergrund verfolgt das INTER-ACT-Projekt folgende Forschungsziele:

Durch die Öffnung des Forschungsprozesses für Bürger/innen verfolgt INTER-ACT einen partizipativen Ansatz zur Entwicklung von Rechtsvorschriften. Dadurch sollen existierende urheberrechtliche Forschungsinitiativen, welche Modellgesetze entwickelt haben (z.B. der WITTEM-Code), erweitert werden. Die Mitwirkung der Bürger/innen aller Stakeholder-Gruppen ermöglicht es den Forscher/inne/n, die Wahrnehmung und Erwartungen der Nutzer/innen, welche diese von dem und an das Urheberrecht haben, empirisch zu untersuchen. Darüber hinaus werden die Modellregelungen in einem offenen, transparenten, evidenz- und konsensbasierten Prozess entwickelt und stellen nicht nur das statische Endergebnis eines einmaligen Prozesses dar, sondern werden anhand der Beteiligung der Bürger/innen dynamisch angepasst. Auf diese Weise bietet die Plattform dem Gesetzgeber einen dynamischen Bezugsrahmen für die Schaffung moderner Urheberrechtsvorschriften, welche von einem breiten gesellschaftlichen Konsens getragen werden. Die Einbeziehung von Bürger/innen in den Forschungsprozess soll ferner gewährleisten, dass deren Einfluss in den gesellschafts- und rechtspolitischen Meinungsbildungsprozess gestärkt und das Urheberrechtsbewusstsein insgesamt erhöht wird.

Wie kann man mitforschen?

Citizen Scientists können sich in vielfältiger Form und – je nach Wissensstand, Interesse und verfügbaren zeitlichen Ressourcen – pro-aktiv einbringen. Die Beteiligung am Forschungsprozess wird über die Partizipation in der elektronischen Interaktions- und Diskussionsplattform ermöglicht, die im Schuljahr 2017/18 von Schüler/inn/en der HTL Krems im Rahmen eines Maturaprojekts entwickelt wird. Die Plattform wird einen offenen Prozess zur konsensbasierten Entwicklung von Modellregeln für das Urheberrecht ermöglichen sowie die Möglichkeit zur Diskussion und Kommentierung dieser Modellregeln bieten. Citizien Scientists können sich dadurch in sämtlichen Stadien des Forschungsprozesses (von der Identifizierung von Unzulänglichkeiten der bestehenden Urheberrechtsordnung bis hin zur Einbringung von Regelungsvorschlägen, deren Diskussion sowie der Auswertung dieser Prozesse) beteiligen.

Was passiert mit den Beiträgen der Citizen Scientists?

Sämtliche Beiträge, welche die Citizen Scientists in die öffentlich zugänglichen Bereiche der Interaktions- und Diskussions-Plattform einbringen, werden Teil eines interaktiven öffentlich zugänglichen Diskurses und fließen in die wissenschaftliche Auswertung ein. Diese Beiträge sind daher von zentraler Wichtigkeit für die offene gemeinsame Entwicklung von Modellregelungen für das Urheberrecht, die dem Gesetzgeber als dynamische Referenz für die Gestaltung einer modernen Urheberrechtsordnung dienen soll. Die wissenschaftliche Auswertung findet in Interaktion mit allen interessierten Citizen Scientists sowie automationsunterstützt (elektronisch) statt. Personenbezogene Informationen werden gemäß den geltenden Datenschutzbestimmungen vertraulich behandelt.

Gefördert durch das BMWFW im Rahmen des Förderprogramms Top Citizen Science (07/2017-07/2019)

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